Appenzeller Sennenhunde und alle anderen bellenden 4-Beiner

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 Betreff des Beitrags: Der älter werdende Hund
BeitragVerfasst: 3. Mai 2011, 12:50 
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Wir alle beschäftigen uns mit dem Thema „älter werden“. Was passiert, wenn wir nicht mehr hundertprozentig unserer Arbeit nachgehen können? Sei es aus körperlichen Gründen, wegen Konzentrationsschwäche oder weil wir einfach müde sind und uns nach Ruhe sehnen.

Wir Menschen hören auf unseren Geist und Körper und können somit das „Älterwerden“ planen.

Unsere Hunde erleben denselben Prozess. Nur sie können nicht selbst ihr „Älterwerden“ planen, sie müssen es uns überlassen. Denn einen etwas ruhigeren Lebensabschnitt im Alter haben sie wahrhaftig verdient.

So wichtig wie die Freizeitgestaltung für den Menschen, so wichtig ist sie für unsere alten Hunde. Geist und Körper müssen genügend Erholung bekommen. Je weniger Erholungsphasen stattfinden, desto schneller schreitet der Alterungsprozess voran. Der Körper meldet: Ich bin ausgebrannt. Ich kann und will nicht mehr!

Der Mensch sagt dann, er leide am Burn out Syndrom. Wie es der Hund nennt, weiss ich nicht. Alles, was ich weiss, ist, er kennt dieses Syndrom auch und die geistigen sowie die körperlichen Reaktionen sind dieselben wie beim Menschen.

Älterwerden ist auch beim Hund ein natürlicher Prozess, der sich wie beim Menschen mit vielen Anzeichen bemerkbar macht. Im Gegensatz zum Menschen kann sich der Hund nicht verbal ausdrücken, um uns auf seine schleichenden „Breschteli“ aufmerksam zu machen. Im Gegenteil, er unterdrückt sie, solange es geht. Das abnehmende Augenlicht wird durch seine bestens ausgeprägte Nase ersetzt. Er erriecht dann quasi die Hindernisse. Seine gewohnten Wege kennt er auswendig, seine abnehmende Konzentration reicht dazu noch lange. Kommen neue Wege hinzu, z.B. bei Wohnortwechsel, wird es für ihn schwieriger. Der Aufbau der einzelnen Wegabschnitte greifen seine bereits geschwächte Konzentration viel schneller an. Und doch, hat er den neuen Weg gelernt – wird er ihn mit Freude gehen. Allzu schnell vergisst oder verbannt der Mensch dann seine Sorgen um den älter werdenden Hund.

Das Hörvermögen nimmt ab. Dies bemerken wir immer wieder. Nicht nur beim Abrufen des Hundes, sondern vor allem bei den täglichen Spaziergängen. Normale alltägliche Geräusche kann er nicht mehr richtig orten oder nach Wichtigkeit einschätzen. Er setzt Ohren und Augen in Richtung Geräuschpegel ein. Das heisst, was früher den Einsatz eines Sinnes notwendig gemacht hat, erfordert heute drei Restsinne.

Treppensteigen, ein-aussteigen bei Verkehrsmitteln verursachen immer mehr Schmerzen. Im Anfangstadium wird der Hund es uns nicht merken lassen, mit der Zeit wird sich der Mensch gewöhnt haben, einer Treppe auszuweichen oder sie langsamer zu begehen, ob langsam oder noch langsamer eine Treppe ist und bleibt eine Treppe und verursacht dem Hund Schmerzen. Und wie das Wort Umweg sagt, handelt es sich dabei meistens um einen längeren Weg, was für den Hund wiederum bedeutet, länger unterwegs zu sein. Richtig im Alter wäre jedoch, kürzer zu treten. Anstelle von einem langen Spaziergang – vermehrte, aber kürzere. Für den Hund aber ist es schwer, seinem Meister beizubringen, dass man nur den halben Weg machen könnte. Dieser steht immer noch in selben Arbeits- oder Alltagsprozess. Ob mit einem jungen oder älter werdenden Hund. Auch dann noch, wenn ihn der Hund, an Menschenjahren gerechnet, schon lange überholt hat.

Spätestens jetzt sollten wir uns mit dem Älterwerden des Hundes intensiv auseinandersetzen. Und dies nicht nur wegen seiner grauen Schnauze, die er bekommt. Nein, unser Hund braucht jetzt viel mehr Ruhe oder Schlafphasen. Die Ruhephasen während der Autofahrt reichen nicht mehr und wirken in den meisten Fällen störend auf den Hund. Zu viele Umwelteinflüsse, das Warten auf den Bus u.v.m. werden zur Qual. Der Boden ist zu kalt für ihn, die Feuchtigkeit fördert seine Gliederschmerzen.

Der freie Auslauf oder das Spiel mit Artgenossen, selbst das Spiel mit seinem Meister, können verheerende Nachwirkungen haben. Die Schmerze treten oft erst Stunden oder Tage später auf.

Langsam spürt der Hund selber, dass sein Körper sich verändert. Er versucht, den Gliederschmerzen oder der nicht mehr vorhandenen Kondition auszuweichen. Er reagiert gereizt auf Artgenossen, beendet das Spiel viel früher als gewohnt. Ganz einfach: die Toleranzschwelle sinkt, die Geduld nimmt ab, der Bewegungsdrang schränkt sich ein. Lärm und Hektik verträgt er sicher nicht mehr.

Die Phase der „Sturheit“ – „Dickköpfigkeit“ – ist nun eingeläutet. Und zwar zu Recht. Dieser Lebensabschnitt muss jetzt vom Mensch zu Gunsten des Hundes vorbereitet werden. Wie wir auch immer diesen Lebensabschnitt benennen, es hat einzig und alleine damit zu tun, dass sich der Hund sein verdientes Recht nimmt, sich für alles, was er tut, mehr Zeit zu nehmen, sich nicht unter Druck zu setzen mit dem steten „aufs Wort gehorchen“. Einmal seine Ohren beim Abruf zu verschliessen. Trotz der Arbeitszeit des Meisters im Korb liegen zu bleiben. Auf dem halben Weg des Spazierganges umzukehren, dabei zu schnuppern und sich so lang Zeit zu lassen, wie er will.

Zu Beginn dieser Phase beginnt nichts anderes als bei einem Menschen vor der Pensionierung. Er signalisiert seinem Arbeitgeber und seinem Umfeld, dass er sich auf seinen verdienten Ruhestand vorbereitet, um dann endlich den letzten Lebensabschnitt noch in Ruhe, ohne Stress und hoffentlich noch eine lange Zeit geniessen zu können.

So schwer und unvorstellbar es für den Menschen sein wird: Auch unsere Hunde verdienen eine würdige Pensionierung.


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BeitragVerfasst: 3. Mai 2011, 13:48 
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Doris, vielen Dank für das Einstellen dieses tollen Beitrages, der mit Sicherheit für alle Hundehalter wichtig ist. Auch für jene Hundehalter, deren Hunde eben erst dem Welpenalter entwachsen sind.

Ich habe ihn als wichtig eingestuft, sodass er immer im oberen Bereich steht und für jeden sofort sichtbar ist. Eine Diskussion dazu wäre in einem extra Diskussionsbeitrag vielleicht sinnvoller. Zusätzlich habe ich den Text etwas formatiert um ihn besser lesbar zu machen. Die Schrift war so klein und wir werden ja auch älter und so manche Sinne lassen dann auch bei uns nach. Bild

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Herzliche Grüße

Gerlinde & Toby

Der Mensch glaubt manchmal, er sei zum Besitzer, zum Herrscher erhoben worden. Das ist ein Irrtum. Er ist nur ein Teil des Ganzen. Seine Aufgabe ist die eines Hüters, eines Verwalters, nicht die des Ausbeuters. Der Mensch hat Verantwortung, nicht Macht. (Onondaga)


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BeitragVerfasst: 3. Mai 2011, 17:50 
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Da hast Du mir aus der Seele geschrieben Doris,habe ja selbst einen Vierbeinigen Greis zu Hause.
Würde mal sagen Pflegestufe 2,aber glaube mir er ist alt und klapprig aber nicht doof -manchmal kann er auch super schauspielern.Na ist mir aber völlig egal,betüttel ich eben mein altes Hundekind.
lg.pebo

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Mein Hund lebt nicht bei mir,sondern mein Hund lebt mit mir.


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BeitragVerfasst: 4. Mai 2011, 00:41 
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Bei mir leben zur Zeit grad 2 Pensionäre und öfters kommt noch der Gasthund Siro dazu.

Debby ist schon lange pensioniert und hat sozusagen die Narrenfreiheit auf dem Brünggberg. Debby ist jetzt über 14 Jahre alt und hat in fünf Würfen viele wunderbare Welpen auf die Welt gebracht und sie war ihnen eine sehr gute Mutter.

Sie darf nun das tun, was sie gerade tun will. Ich merke, dass sie gerne ihre Ruhe hat und am liebsten ganz Nahe bei mir ist, ohne die anderen. Debby ist von Natur aus äusserst Eifersüchtig. Am liebsten ist sie aber in der Schreinerei-Werkstatt, da hat sie ihr Revier das sie auch laut verteidigt, sie lacht hinter den Stockzähnen und freut sich wenn sie einem Vertreter Angst einjagt. Ich hoffe, Debby bleibt uns noch viele Jahre gesund und munter.
Debby liebt es mit der Örgeli-Gruppe unterwegs zu sein. Sie ist schon zum Wahrzeichen geworden. Oft heisst es beim Engagement, aber bitte mit Hund!

Bild

Kaj ist ein Sohn von Debby und war als Blindenführhund ausgebildet worden. Kaj war ein paar Jahre in Basel bei einer blinden Frau im Einsatz. Später kam er zu mir zurück und machte nun mit uns, das sind Elisabeth (blinde Führhundehalterin) und ihrem Führhund Siro und mir FerienSpass. Wir besuchten in der ganzen Schweiz die Schulkinder und brachten ihnen das Thema „Blindsein und Blindenhunde“ näher. Kaj und Siro führten sehr gerne die Kinder herum. Siro ist immer noch bei der blinden Frau im Einsatz und er muss daher privat und in den Schulen geschont werden.

Nun merke ich, dass es Kaj und Siro langsam zu viel wird, es macht ihnen aber immer noch Spass, wenn sie im Fühgeschirr arbeiten dürfen. Nur nicht mehr mit 15 – 20 Kindern laufen, dass wollen sie nicht mehr. Die Hektik und der Kinderlärm wird ihnen zu viel, sie werden gleichgültig und schauen oft weg. Sie lassen sich jedoch nach wie vor alles gefallen und sie lieben es, wenn die Kinder zu ihnen auf den Boden sitzen, und sie streicheln und liebkosen.

Wir bieten auch weiterhin FerienSpässe an, nur haben wir das laufen mit den Hunden unter der Dunkelbrille für Kinder gestrichen. Das ist für den Hund sehr anstrengend, jedes Kind läuft anders, die einen schneller, langsamer, lassen sich ziehen oder ziehen den Bügel zur Seite oder nach oben. Das alles ist für den Hund recht unangenehm und störend.
Unsere Hunde dürfen nach wie vor in die Schulen mitkommen und sich von den Kindern streicheln lassen, nur Arbeiten brauchen sie nicht mehr.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 9. Mai 2011, 09:16 
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BildDoris, ein Super-Beitrag. Daraus kann man sehr viel lernen, im Hinblick darauf, dass ja auch unsere Lieblinge (leider und viel zu schnell) älter werden!!

Für Debby und Kaj hoffe ich, dass sie ihren Lebensabend bei Dir noch lange geniessen dürfen. Ich kenne sie ja beide und sie werden mal eine grosse Lücke hinterlassen...


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